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Über Lautgebärden

Funktionen der Lautgebärden

- Hilfe bei der Lautgewinnung und der Ausbildung von Phonembewusstsein
- Merkhilfe zur Sicherung der Laut -Buchstaben-Beziehung
- Veranschaulichung des alphabetischen Prinzips durch Handlung und sichtbare Gebärden
- Hilfe bei der Artikulation (Unterstützung deutlichen Sprechens)
- Hilfe bei der Synthese (Lesehilfe)
- Hilfe bei der Analyse (Schreibhilfe)

Lautgebärden sind sichtbare Zeichen für Laute, die mit der Hand dargestellt werden. Diese Handzeichen erfordern somit eine motorische Leistung und werden als solche auch motorisch und körpereigen gemerkt. Zur visuellen , auditiven und artikulatorischen Erinnerungsvorstellung kommt also ein weiterer Sinneskanal hinzu, wobei eine qualitativ neue Verbindung zwischen Phonem und Graphem entsteht.

Es ist der ganzheitliche Aspekt, der dieser Verbindung die Wirksamkeit verleiht. Auch das Bilden der Laute ist eine (sprech-)motorische Leistung, die durch den Verweis der Gebärde auf Artikulationsmerkmale bewusst gemacht wird. Die ausgeführte Gebärde ist letztlich eine Handlung, die Wahrnehmungsprozesse sichtbar macht und so Kindern mit Schwierigkeiten über Klippen am Anfang hinweghelfen kann.

Die Lautgebärden stellen eine "Brücke zwischen Sprache und Schrift" dar. Sie sind eine motorische Leistung wie das Sprechen, aber auch sichtbar wie die Schrift (vgl. Topsch 1979, 138). Das zeitgleiche Ausführen einer Bewegung mit der Hand während des Artikulierens beim Lesen und Schreiben von Buchstaben und Wörtern und der häufige Gebrauch sind dabei entscheidend für das Behalten. Bei der Erarbeitung von Lauten und Buchstaben sichern Gebärden die Zuordnung und vermitteln beim Lesen und Schreiben, wiederum handelnd und damit sinnlich fundiert, den alphabetischen Aufbau der Schrift. So erfahren drei Felder der didaktischen Landkarte (Brügelmann) eine außerordentliche Betonung: Lautanalyse, Aufbau der Schrift, Buchstabenkenntnis.

Gerade diese Erfahrungen mit Schrift sind fundamental und Kindern mit erhöhtem Förderbedarf nicht leicht zu vermitteln. Ohne diese Grundlagen ist jedoch kein freies Schreiben, kein Lesen und keine Schriftverwendung möglich. Auch für den Aufbau eines Grundwortschatzes sind sie Bedingung.

 

Gestaltung von Lautgebärden: Das vorliegende System

Es gibt viele Gebärdensysteme und alle haben ihre Berechtigung, da sie in der spezifischen Gestaltung für eine vom jeweiligen Autor intendierte Zielgruppe her begründet werden.

Kriterien für die hier vorgenommene Gebärdenauswahl und Gestaltung:

- Orientierung an Artikulationsmerkmalen (Phonemorientierung)
- einhändige Ausführung und leichte motorische Darstellbarkeit
- gute optische Unterscheidbarkeit => Lesbarkeit als Schrift
- Verweise auf Buchstabenformen (Graphemorientierung)

Eine wesentliche Bedingung für die Erfüllung der genannten Funktionen ist der Phonembezug der Gebärden. Gerade die Arbeit mit der Anlauttabelle erfordert ein deutliches Sprechen, um die Lautform aufzuschließen und die Lautfolge durch Gebärden sichtbar zu machen. Das System muss dabei aber motorisch leicht darzustellen sein und optisch gut unterscheiden. Dies sind die beiden wichtigsten Kriterien für eine leichte Lernbarkeit und Lesbarkeit als Schrift. Die einhändige Darstellung gewährleistet, dass mit der anderen Hand geschrieben werden kann. Die Gebärde wird vom Kind wie in einem Spiegel gesehen und ausgeführt.